Don‘t panic, it’s organic!

Wir erzählen Dir, warum unser Kaffee happy ist.

Gestern habe ich mein erstes Spaghetti-Eis in diesem Jahr gegessen. Das hat mich schon bei der Bestellung so dermaßen glücklich gemacht, dass das auch unter der Maske klar ersichtlich war. Mit meinem Sekundenglück konnte ich auch den Gelatiere hinter der Theke anstecken. Ein gemeinsamer Glücksmoment und das alte Sprichwort über die „kleinen Dingen im Leben“ traf es mal wieder auf den Punkt.

Dass (neben Spaghetti-Eis) auch Kaffee den Menschen glücklich macht ist sogar wissenschaftlich belegt! Denn durch den Konsum werden bewiesenermaßen Glückshormone ausgeschüttet. Außerdem soll Kaffee Depressionen vorbeugen und die Leistungsfähigkeit steigern – es hat also auch gesundheitliche Vorteile (in Maßen) Kaffee zu genießen.

Um mich mit einem Produkt glücklich zu machen ist aber nicht nur der Geschmack entscheidend, sondern auch, dass das Produkt an sich „glücklich“ sein muss. Was ich damit meine ist, dass ich mir sicher sein möchte, dass sich die Teilprodukte, aus denen das Endprodukt besteht – auch bei nicht-tierischen Produkten – guten Gewissens genießen lassen. Wir bei Van Dyck können behaupten: Unser Kaffee ist happy, denn er entsteht aus glücklichen Bohnen. Warum wir das behaupten? Lest selbst!

Von Beginn an war und ist unser Van Dyck Credo „Wir machen Kaffee, den wir selber gerne trinken“. Denn für unsere Gründer, Moni und Martin, war klar, sie würden Kaffee nur dann gerne trinken und verkaufen wollen, wenn sie dies guten Gewissens tun können. Eine Voraussetzung dafür war für die beiden nicht diskutierbar: Die Van Dyck Bohne muss fair gehandelt und natürlich bio sein! Auch bei mir kamen am Anfang Fragen auf, die ihr euch möglicherweise auch stellt: Wann ist der Kaffee bio? Was bedeutet biologischer Kaffee überhaupt? Wer entscheidet, ob ein Kaffee bio ist? Wer prüft das?

Eins vorab: Einfach bio auf die Verpackung schreiben darf niemand und das ist auch gut so! Bis man auf sein Produkt schreiben darf, dass es bio ist, müssen einige Schritte passieren.

Jetzt aber step by step zu mehr Klarheit:

1. Wann ist ein Kaffee bio?

Um das EU-Bio-Siegel zu erhalten, müssen wir bestimmte Anforderungen erfüllen. Da wir ein landwirtschaftliches, rein pflanzliches Produkt – Kaffee – verarbeiten sind für uns u.a. folgende Anforderungen relevant, um die Zertifizierung zu erhalten:

  • 95% des Kaffees muss aus biologischer Landwirtschaft stammen. – Aber Achtung: Die Grenzwerte für die Belastungen mit Pestiziden oder anderen nachweislichen ” bei bio, nicht zugelassenen” Stoffen ist sehr schnell erreicht. Der beigemischte Kaffee sollte also wie bio Kaffee hergestellt worden sein, nur halt ohne Zertifizierung. Das passiert bei der Umstellung von konventionell auf bio häufig, da die bewirtschafteten Flächen mindestens 5 Jahre wie bio behandelt werden müssen, bevor sie das Siegel bekommen.
  • Gentechnik und der Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln ist verboten
  • Auf mineralische Stickstoffdünger muss verzichtet werden
  • Boden, Wasser und Luft müssen geschützt werden
  • Auf Süßstoffe und Stabilisatoren sowie synthetische Farbstoffe, Konservierungsmittel und Geschmacksverstärker muss verzichtet werden.

2. Wer entscheidet und prüft, ob ein Produkt das Bio-Siegel bekommt?

Um das Bio-Siegel zu erhalten, muss es natürlich eine Kontroll-Stelle geben, die die gesamte Wertschöpfungskette prüft. Es gibt mehrere Öko-Kontrollstellen, die dazu befähigt sind. Wir arbeiten hier mit ABCERT zusammen, der führenden Kontrollstelle für Bio-Zertifizierungen in Deutschland.

3. Wie läuft eine Bio-Zertifizierung ab? – Einfach bio schreiben läuft nicht!

Zertifizierungsantrag und erster Kontrollbesuch.

Nachdem klar war, dass unser Kaffee nur über den Verkaufstisch gehen würde, wenn er das EU Bio-Siegel verdient hat, mussten wir einen Antrag bei der unabhängigen Kontrollstelle (in unserem Fall also bei ABCERT) stellen. Nachdem der Antrag geprüft und angenommen wurde – noch vor dem ersten Kontrollbesuch des Prüfers – war das Ausfüllen einiger Dokumente und Formulare von Nöten. Unter anderem mussten wir eine Betriebsbeschreibung einreichen, alle Informationen zu unseren Produkten offenlegen und einen Maßnahmenplan erstellen, in welchem z.B. festgehalten wird, welche Stellen im Prozess der Verarbeitung fehleranfällig sind – also, wo es beispielsweise zu einer Vermischung von biologischen und konventionellen Zutaten kommen könnte. Ziel ist es hierbei sog. Vorbeugungsmaßnahmen zu erarbeiten, um diese Risiken bewusst auszuschließen. Natürlich müssen diese Maßnahmenpläne regelmäßig auf ihre Aktualität geprüft und ggf. angepasst werden.

Anschließend kam es dann zum ersten Kontrollbesuch des Prüfers von ABCERT. Dieser prüfte nicht nur alle Unterlagen, sondern jeden Schritt der Wertschöpfungskette. Im Detail heißt das, es wurde geprüft, ob alle Schritte – von den Kaffeebauern, über den Röster, bis zur Produktion und Verkauf – den gesetzlichen Standards entsprechen. In der Rösterei schaute der Kontrolleur sich insbesondere den Warenfluss und das Lager an.

Ein Besuch und das wars? – Natürlich nicht!

Eine Bio-Zertifizierung behält man als Unternehmen selbstverständlich nicht einfach so – regelmäßige Kontrollen sind Pflicht! Zweimal im Jahr kommen Kontrolleur:innen in unserer Rösterei vorbei – einmal mit und einmal ohne Ankündigung. Dann werden verschiedene Fragen gestellt, wie z.B. wo die Bio-Nummer (Tracking-Number) auf dem Kaffeesack steht. Auch nimmt der/die Prüfer/in Proben von den verschiedenen Kaffees, um sie auf ihr Bio-Siegel zu prüfen. Auch Lieferscheine müssen vorgezeigt werden.

Wenn dann alles stimmt, erhalten wir jedes Jahr aufs Neue ein aktuelles Bio-Zertifikat und damit das Recht auf unseren Kaffee das Bio-Siegel der EU zu drucken.

Wer besonders neugierig ist, kann hier drauf klicken und in die Zeile einfach mal „Van Dyck“ eingeben – dort seht ihr unser aktuelles Zertifikat.

4. Was kann das Siegel, was kann es nicht?

Transparenz ist wichtig, deswegen möchten wir euch an dieser Stelle auch nicht verschweigen, was das EU Bio-Siegel allein nicht leisten kann. Eine Zertifizierung bedeutet im Allgemeinen nicht, dass der biologische Röstkaffee gesünder ist, als ein konventioneller, da beispielsweise Chemikalien nach der Röstung nicht mehr erkennbar sind. Deshalb ist es für uns umso wichtiger, genauer auf die Kooperativen zu schauen, von denen wir den bio Rohkaffee beziehen. Heißt, wir schauen uns den Rohkaffee ganz genau an!

Die Kosten für eine Zertifizierung sind darüber hinaus hoch und junge Kooperativen können das Geld dafür nicht immer aufbringen. Da das EU Bio-Siegel für den internationalen Markt keine Relevanz hat, stellt es für die Kooperative immer auch ein Risiko dar, ob die Zertifizierungserlöse im Endeffekt die Kosten für die Zertifizierung decken.

Aber um es in BWLer Worten auszudrücken: Unterzieht man die Zertifizierung einer Kosten-Nutzen-Analyse wird ersichtlich, dass der Nutzen einer Biozertifizierung die Kosten bei Weitem übersteigt! Denn für die Kaffeebauern der Kooperativen kommt es zu einer Wertsteigerung ihres Rohkaffees, da sie mit dem EU Bio-Siegel einen höheren Verkaufspreis erzielen.

Manche Kaffee Bohnen sind so berühmt, beliebt oder so gut, dass die Nachfrage höher als das Angebot ist. Es gibt durchaus Kooperativen und Bauern, die eine Zertifizierung schlicht nicht für nötig befinden. Verkauft wird sowieso genug und den Ruf eines Blue Mountain oder Pink Bourbon würde wohl auch kein Landwirt mit Glyphosat aufs Spiel setzen. Mit anderen Worten: Diese Kaffees sind bio ohne dass sie sich so nennen. Ähnlich wie einige der hochwertigsten Weine Italiens, die sich selbst Tafelwein nennen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass das Verbot der Nutzung von Chemikalien und Pestiziden die Böden schützt und somit die Artenvielfalt in den Anbauländern.

Außerdem stellt die Anwendung von Pestiziden ein erhebliches gesundheitliches Risiko für die Arbeiter auf den Farmen dar – auch ihre Gesundheit wird demnach geschützt.

Auch geschmacklich in unserer Tasse sorgt das Bio-Siegel dafür, dass die Komplexität der Aromen erhalten bleibt, denn Chemikalien können diese geschmackliche Vielfalt stark beeinträchtigen.

Bei entkoffeiniertem Kaffee, wie unserem Libero, sollte ganz besonders auf zertifizierte bio Qualität gesetzt werden. Über die Rückstände der Lösemittel, mit denen das Koffein entzogen wird, möchten wir ohne Ausnahme und guten Gewissens sagen können, dass sie absolut ungiftig sind.

Nun hoffe ich, dass wir euch ein paar wichtige Fragen beantworten konnten. Festhalten können wir in jedem Fall: Einfach bio läuft nicht – und das ist auch gut so, denn wir betreiben gerne den Aufwand um später sagen zu können: Unser Kaffee macht nicht nur happy, er ist es auch.

So viele Infos – die gilt es jetzt erstmal zu verarbeiten. Und wobei könnte das besser gelingen, als bei einem leckeren Cappuccino?

An dieser Stelle möchte ich mich bei unserem Röster Rolf bedanken, der mir mit vielen Informationen für diesen Beitrag geholfen hat. Seine Meinung – und er ist dem Rohkaffee buchstäblich am nächsten – zum Bio Siegel: „Ich finde das Bio Siegel gut, weil ich mich um viele Fragen bei der Herkunft nicht kümmern muss.“

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