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Winterzeit ist Chai-Zeit – Wie aus einer verrückten Idee ein Familienunternehmen wurde

Der Herbst ist da und damit auch die Zeit der leckereren Comfortdrinks. Wenn die Tage wieder kürzer werden und einem vermehrt der Geruch nach Zimt, Kardamom und Nelken aus den Cafés entgegenweht, bricht sie an: die Hochzeit des Chai-Lattes. Fans des winterlichen Gewürzspektrums können gar nicht genug davon bekommen, doch die wenigsten wissen: Chai ist nicht gleich Chai. Was macht einen guten Chai-Sirup aus und was hat die ayurvedische Küche damit zu tun? Diese Fragen klären wir mit unserer langjährigen Partnerin und Freundin Eva Zukunft, die mit ihrem Familienunternehmen Black Sense ein ganz besonderes Produkt auf den Markt gebracht hat, das auch bei den VAN DYCK-Kund*innen sehr beliebt ist.

Interview mit Eva

VAN DYCK: Hallo Eva. Erzähl doch mal, wie ist die Marke Black Sense entstanden? Wie kamst du dazu Chai zu vertreiben?
Eva: Das war eigentlich eher ein Zufall. Ich hatte früher starke Verdauungsprobleme und habe mich daraufhin mit der ayurvedischen Küche beschäftig. Dann habe ich angefangen meinen eigenen Chai herzustellen, der meine Entzündungswerte tatsächlich gesenkt hat. Irgendwann wollten dann auch immer mehr Freunde von mir Flaschen haben, bis dann schließlich mein Mann die Idee hatte daraus ein Geschäft zu machen.
VAN DYCK: Und wann kam der Stein dann richtig ins Rollen?
Eva: Tatsächlich habe ich das ganze lange für eine Spinnerei gehalten. Ich war zu der Zeit noch Mitten im Studium, zuerst Grafikdesign, später dann Lehramt. Als mein Umfeld aber mehr und mehr Begeisterung für die Flaschen zeigte, wurde es irgendwann wild.
Irgendwann habe ich neben Freunden auch Café-Betreiber*innen beliefert und irgendwann war klar: Entweder mach ich das professionell, oder gar nicht. 2016 haben wir dann offiziell gegründet. Meine Eltern waren sofort dabei. Meine Mutter hat gleich gesagt: „Ich koche!“ Und so haben wir im Keller meiner Eltern angefangen. Nächstes Jahr feiern wir zehnjähriges Jubiläum.

Qualität braucht Geduld

VAN DYCK: Was unterscheidet denn euren Chai von anderen Produkten?
Eva: Unser Chai ist „brewed, not blended“. Er wird wie in Indien traditionell gekocht und nicht einfach nur aufgegossen. Dadurch entsteht eine volle Extraktion der Gewürze.
Unser Chai-Sirup besteht aus Zimt, getrocknetem Ingwer, grünem Kardamom, Nelken und Chili. Kein Pfeffer, der passte für mich einfach nicht. Chili und Ingwer regen das Verdauungsfeuer an, das sogenannte Pitta. Und für die Konservierung nehmen wir Vollrohrzucker.
VAN DYCK: Ihr arbeitet ja ausschließlich mit Bio-Zutaten. Warum ist das für euch so wichtig?
Eva: Für mich kam es nie infrage, nicht mit Bioqualität zu arbeiten. Biogewürze stammen meist aus kleinbäuerlichen Betrieben, und die werden fairer bezahlt. Außerdem möchte ich keine gesundheitsschädlichen Pestizide in meinem Produkt. Das macht den Einkauf aber kompliziert. Es gibt z. B. keinen großen „Bio-Gewürzmarkt“. Wir haben einen großen Gewürzhändler als Partner, der Biogewürze in diversen Regionen bei Kleinbauern bezieht. Direct Trade ist auf dem Gewürzmarkt sehr aufwändig. Zudem frustriert es manchmal, wie bürokratisch Bio sein kann. Ich muss auf einem globalisierten Markt einkaufen. Wenn mir beispielsweise Kardamom fehlt, kann ich den nicht einfach konventionell einkaufen. Ich muss Anträge stellen, die Wochen dauern. In der Zeit ist man quasi handlungsunfähig.
VAN DYCK: Was sind deine größten Learnings aus fast zehn Jahren Black Sense?
Eva: Dass man leicht verrückt sein muss, um in Deutschland und Europa ein Lebensmittel auf den Markt zu bringen! Der bürokratische Aufwand ist der Wahnsinn (lacht). So viele Regularien. Ich habe gelernt meinem Bauchgefühl zu vertrauen und langsam zu wachsen. Mir war klar, ich werde die ersten Jahre nicht reich mit meinem Produkt. Aber das war auch gar nicht mein Anspruch. Wir haben glücklicherweise von Anfang an treue Abnehmer gehabt, die mit ihren Cafés von Tag eins an dabei waren. Es ist schön gemeinsam zu wachsen, mit Kund*innen, die zu Freund*innen werden.
VAN DYCK: Euer Sirup wird ja auch von VAN DYCK-Kund*innen aus ganz Deutschland gerne bestellt. Wie wichtig ist der Onlineverkauf für euch?
Eva: Der Onlineshop ist eher Ergänzung. Unsere Hauptzielgruppe bleibt die Gastronomie. Ich finde es schön, wenn Kund*innen den Chai zuerst im Café erleben, wie bei euch zum Beispiel, und ihn dann für zu Hause kaufen. Das ist die natürlichere Reihenfolge: Erst der Genussmoment, dann der Kauf.
VAN DYCK: Liefert ihr auch über Deutschland hinaus?
Eva: Wir verkaufen europaweit, weiter will ich gar nicht expandieren. Ich finde es unsinnig, ein Produkt, dessen Rohstoffe um die halbe Welt reisen, dann noch nach Australien zu schicken. Unser Fokus liegt klar auf dem europäischen Markt.

Die Suche nach dem „Echten“

VAN DYCK: Was ist dein Wunsch für die Zukunft?
Eva: Langfristig möchte ich eigene landwirtschaftliche Flächen haben, um Ingwer und Chili anzubauen. Der wächst auch bei uns, also muss ich ihn nicht unbedingt importieren. Außerdem wünsche ich mir engere Kooperationen mit unseren Zuckerherstellern in Kolumbien. Dort ist das Zuckerrohrkochen ein echtes Handwerk mit hoher Qualität.
VAN DYCK: Kannst du noch kurz erklären, was den Vollrohrzucker ausmacht?
Eva: Industriezucker aus Rüben wird chemisch gereinigt und verliert dabei viele Nährstoffe. Vollrohrzucker dagegen entsteht aus gepresstem Zuckerrohrsaft, der eingekocht, getrocknet und gemahlen wird. Das passiert ohne chemische Zusätze. Dadurch behält er seine Mineralstoffe und Vitamine und hat ein malziges, karamelliges Aroma. Natürlich bleibt Zucker ein Genussmittel, aber Vollrohrzucker ist die „ehrlichere“ Variante.
VAN DYCK: Wenn du dir etwas für die nachhaltige Lebensmittelbranche wünschen könntest, was wäre das?
Eva: Dass sie nicht weiter schrumpft. Der Biomarkt geht zurück, die Kaufkraft sinkt, und viele entscheiden sich wieder gegen hochwertige Lebensmittel. Ich wünsche mir weniger Lobbyarbeit zugunsten der Industrie und mehr Bewusstsein für Qualität und Nachhaltigkeit.
Nachhaltigkeit heißt für mich auch: weniger Konsum. Produkte sollen langlebig sein, nicht nur günstig. Und ehrlich gesagt: In Supermärkten findest du kaum noch unverarbeitete Lebensmittel. Das ist ein Problem, das wir dringend angehen müssen.
VAN DYCK: Hast du zum Schluss noch einen Zubereitungstipp für euren Chai-Sirup?
Eva: Für einen Dirty Chai Latte zum Beispiel empfehle ich eine schokoladige, nussige Röstung, wie den Adorno. Zwei Pumpstöße Sirup (je 10 ml), Milch drauf, fertig! Zuhause funktioniert das auch mit einem Milchaufschäumer. Mit einem Espresso-Shot ist das ein echter Koffein-Kick, also eher nichts für abends.
VAN DYCK: Das klingt super lecker. Vielen Dank für das nette Gespräch und viel Glück weiterhin!
Eva: Danke, das wünsche ich euch auch!

Das Familienunternehmen Black Sense ist ein lebhaftes Beispiel für eine wertegeleitete Lebensmittelproduktion. Es freut uns sehr mit einem Unternehmen zusammenzuarbeiten, das wie wir die Qualität seines Produktes immer an erster Stelle stellt und freuen uns schon auf die vielen leckeren Chai-Getränke, die wir in unseren Cafés auch diesen Winter wieder zubereiten werden.

Dieser Beitrag wurde verfasst von:
Anja Stutz – Produktionsmitarbeiterin bei VAN DYCK